Mit sozialer Kompetenz zum Wunschberuf

SZ-Serie "Ausbildung 2008": Gute Noten allein reichen nicht mehr aus

 

Höflich, pünktlich und zuverlässig – für Bewerber, die diese Attribute mit sich bringen, ist die Chance auf eine Lehrstelle groß. Denn die soziale Kompetenz wird Unternehmen immer wichtiger.

 

Von SZ-Redaktionsmitglied Inga Catharina Thomas

 

Saarbrücken. Manchmal kann ein freundliches „Guten Morgen“ den Ausschlag geben: Wer sich auf eine Lehrstelle bewirbt, muss nicht nur solide schulische Leistungen oder technisches Geschick mitbringen. Auch klassische Tugenden wie Höflichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit stehen bei Firmen- und Personalchefs hoch im Kurs. Genauso wie die Fähigkeiten, im Team zu arbeiten, konzentriert und belastbar seine Aufgaben zu erledigen. Dem seien sich nicht alle Schulabgänger bewusst, so Michael Meter, Teamleiter Ausbildung bei der saarländischen Industrie- und Handelskammer (IHK). „Auch die Kommunikationsfähigkeit ist oft ein Problem“, sagt er. „Man sollte nicht nur mit Ja und Nein antworten, wenn man etwas gefragt wird.“ Doch sei das nur einer von vielen Stolpersteinen, die sich Bewerber selbst in den Weg legten, so Sarah Schwingel, Ausbildungsplatzentwicklerin bei der saarländischen Handwerkskammer (HWK). „Es sieht zum Beispiel nicht gut aus, wenn die Mutter die Bewerbung vorbeibringt“, sagt sie. „Gerade in kleinen Betrieben ist der persönliche Eindruck entscheidend.“

Dem kann Horst Ruffing, Landesinnungsmeister der saarländischen Friseure und Kosmetiker, nur zustimmen: „Gerade in unserer Branche muss man auf sein Äußeres achten.“ So sei für den Chef eines Friseursalons in Homburg „schon alles passé, wenn jemand bei mir zum Vorstellungsgespräch mit dreckigen Fingern kommt.“ Überhaupt lägen oft grundsätzliche Dinge im Argen, meint Ruffing. So sei es bezeichnend, dass die Innung jährlich zwei achttägige Kurse à 18 Teilnehmer anbieten müsste, damit die neuen Lehrlinge unter anderem das korrekte Verhalten an der Rezeption und am Telefon erlernten.

Auch beim Autobauer Ford in Saarlouis wird die Persönlichkeit der künftigen Lehrlinge unter die Lupe genommen. „Zuerst schauen wir uns die berufsrelevanten Fächer wie Mathe, Deutsch und Physik im Zeugnis an, danach folgt ein zweistündiger Eignungstest“, sagt Wolfgang Buchheit, Leiter der Aus- und Weiterbildung. „Als Letztes laden wir zum Vorstellungsgespräch ein.“ Doch ist es nicht so, dass die soziale Kompetenz der Bewerber damit in den Hintergrund rückt. Gleich in der ersten Bewerbungsphase, wenn die Zeugnisse vorliegen, sind die Kopfnoten in Bezug auf Verhalten, Mitarbeit und Fehltage von besonderem Interesse. „Viele unentschuldigte Fehlzeiten sind für uns ein Ausschlusskriterium“, sagt Buchheit. „Das lässt auf mangelnde Verlässlichkeit schließen.“