Schulnoten allein sind nicht alles

SZ-Serie "Ausbildung 2008": Schlechte Zeugnisse können durch einen guten Eindruck vergessen gemacht werden

 

Mein Zeugnis war schlecht – was mache ich nun? Wem sich diese Frage am Tag der Vergabe der Abschlusszeugnisse stellt, der muss sich bei der bevorstehenden Ausbildungsplatzsuche besonders anstrengen.

 

Von SZ-Redaktionsmitglied Inga Catharina Thomas

 

Saarbrücken. „Wem ein schlechtes Zeugnis droht, der macht meist bis zuletzt die Augen zu und hofft auf ein kleines Wunder.“ Mit Vermeidungsstrategien kennt sich Susanne Dietrich, Teamleiterin Berufsberatung bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Saarbrücken, aus. Nur zu oft kommen Schulabgänger erst nach der Zeugnisvergabe in die Hafenstraße 18, um einen Ausbildungsplatz zu suchen. Im Rennen um die Wunsch-Lehrstelle hinken sie ihren Altersgenossen dann bereits hinterher. Kommen schlechte Noten hinzu, schrumpfen die Chancen umso mehr.

„Je schlechter die Noten, desto mehr müssen sich die Jugendlichen Strategien überlegen, um für sich zu werben“, sagt Dietrich. Wer seine Stärken betone, könne den Gesamteindruck bis zu einem gewissen Maß positiv beeinflussen. Denn Noten „sind nicht alles.“

Eine Möglichkeit ist ein Berufswahltest, den die BA kostenlos anbietet. „Da kann es sein, dass die Schulnote in Mathe zwar schlechter als befriedigend war, der Schüler aber in anderen Testbereichen überdurchschnittlich abschneidet“, sagt Dietrich. Die Auswertung kann der Schüler als Ausdruck in seine Bewerbungsmappe einfügen. Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Saarbrücken bietet einen Eignungstest an, Kostenpunkt zehn Euro. Der nächste Prüfungstermin ist Montag, 23. Juni, um 15 Uhr. Anmeldung unter Tel.: (0681) 9520-752. Jederzeit im Internet abrufbar ist dagegen der kostenlose Azubitest des Deutschen Handwerksblatts unter www.handwerksblatt.de.

Eine andere Möglichkeit, den Lebenslauf zu verbessern, ist privates Engagement. Wer sich für einen IT-Beruf interessiert, könnte den künftigen Arbeitgeber durch Mitarbeit in der schulischen Computer-AG beeindrucken. Auch ehrenamtlicher Einsatz, beispielsweise bei der Freiwilligen Feuerwehr, kann von Teamgeist, Verlässlichkeit und Verantwortungsgefühl zeugen.

Offensiv sollten Jugendliche mit schlechten Kopfnoten („Verhalten“ und „Mitarbeit“) oder vielen Fehltagen umgehen. Susanne Dietrich rät, das Problem im Anschreiben zu thematisieren: „Da kann man schreiben: Auf meinem Zeugnis befinden sich unentschuldigte Fehltage. Das ist nicht gut. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und möchte Ihnen gerne in einem Praktikum beweisen, dass ich zuverlässig und engagiert bin.“ Nachdem die Bewerbungsunterlagen so aufgewertet wurden, steht dem Absenden eigentlich nichts mehr im Wege – aber manchem Jungendlichen sind die schlechten Noten schlicht peinlich. „Bei den teils hohen Erwartungen der Arbeitgeber kann einem schnell der Mut fehlen“, räumt Dietrich ein. Doch „der Gesamteindruck zählt.“ > wird fortgesetzt