pdf: Neue Fördermittel für mehr Lehrstellen

Neue Förderhilfen für mehr Lehrstellen


SZ-Serie "Ausbildung 2008": Bundesarbeitsministerium will mit Zuschüssen von 450 Millionen Euro Unternehmen zur Ausbildung bewegen

 

Mit einem neuen Förderprogramm will das Bundesarbeitsministerium zusätzliche Lehrstellen für Altbewerber schaffen. Allein im Saarland erfüllen rund 850 Jugendliche die Voraussetzungen für diesen Ausbildungsbonus.

 

Von SZ-Redaktionsmitglied Inga Catharina Thomas

 

Saarbrücken. Jugendliche auf Lehrstellensuche haben derzeit gute Chancen: Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist deutlich entspannter als in den Vorjahren, so die Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur (BA) in Saarbrücken. Dennoch bemühen sich über 50 Prozent der saarländischen Lehrstellenbewerber seit mindestens einem Jahr erfolglos um einen Ausbildungsplatz. Diesen Altbewerbern will das Bundesarbeitsministerium nun mit einem 450 Millionen Euro starken Förderprogramm unter die Arme greifen: Dieser Ausbildungsbonus soll Unternehmen ermutigen, bis Ende Dezember 2010 zusätzliche Lehrstellen zu schaffen.

„Betriebe können einen Zuschuss zwischen 4000 und 6000 Euro erhalten“, sagt BA-Pressesprecher Erik Harms. Die genaue Höhe hängt vom Gehalt des Jugendlichen ab; bei Azubis mit Behinderungen erhöht sich der Zuschuss um 30 Prozent. Der Bonus wird in zwei Raten ausgezahlt: Die erste Hälfte nach Ablauf der Probezeit, die zweite nach Anmeldung des Lehrlings zur Abschlussprüfung.

Um den Ausbildungsbonus zu erhalten, muss eine Firma zwei Kriterien erfüllen. Zum einen müssen zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden – also mehr Lehrlinge als in den drei Vorjahren beschäftigt werden. Wer dann einen Altbewerber ohne Schulabschluss, mit einem Sonder- oder Hauptschulabschluss ausbildet, hat seit dem 1. Juli einen Rechtsanspruch auf den Zuschuss.

Keinen rechtlichen Anspruch auf Förderung haben dagegen Betriebe, die Altbewerber mit Mittlerer Reife oder besseren Abschlüssen ausbilden. Hier entscheidet die zuständige Arbeitsagentur im Einzelfall. Zudem müssen Jugendliche mit Mittlerer Reife mindestens ein Jahr, mit einem besseren Abschluss zwei Jahre auf Lehrstellensuche gewesen sein.

Um einen Abbruch der Lehre zu vermeiden, können Jugendliche von den Arbeitsagenturen sozialpädagogisch betreut werden. Diese ausbildungsbegleitenden Hilfen unterstützen besonders beim Bewältigen der Berufsschule.
Auch für die Betriebe bietet der Ausbildungsbonus große Chancen. Mit Blick auf den demographischen Wandel und sinkende Schulabsolventenzahlen prognostiziert Otto-Werner Schade, Leiter der Regionaldirektion: „Die Betriebe werden in naher Zukunft in einem harten Wettbewerb um die Gunst qualifizierter junger Mitarbeiter stehen. Nur wer heute ausbildet – auch Jugendliche mit Handicaps – wird morgen über die nötigen Fachkräfte verfügen.“


Das Echo der Wirtschaft auf den neuen Ausbildungsbonus ist jedoch geteilt: Wie eine Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung ergab, würde die Hälfte aller Unternehmen aufgrund des Zuschusses keine zusätzlichen Stellen schaffen wollen. Dabei ist der Unterschied zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Betrieben groß: So könnte sich jeder vierte Ausbildungsbetrieb vorstellen, die Lehrstellenzahl um etwa 20 Prozent zu erhöhen. Auch ist das Interesse von Kleinst- und Kleinbetriebe (weniger als 50 Angestellte) drei Mal so hoch wie bei größeren Unternehmen.