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Während der Lehre ins Ausland

SZ-Serie "Ausbildung 2008": Handwerkskammer und Staat bieten zahlreiche Austauschprogramme an

 

Was für viele Studenten selbstverständlich ist, kann auch für Auszubildende sinnvoll sein: ein Aufenthalt im Ausland. Saarländischen Jugendlichen bieten sich eine Reihe von Möglichkeiten.

 

Von SZ-Redaktionsmitglied Inga Catharina Thomas

 

Saarbrücken/Trier. Camembert statt Dippelappes: Als Max Kaspar im Herbst 2005 in der Normandie eintraf, öffnete sich für den Saarländer eine unbekannte Welt. Zehn Tage arbeitete der heute 20-Jährige in einer französischen Schreinerei, wohnte bei der Familie des Firmenchefs. Vermittelt wurde der Aufenthalt durch die Handwerkskammer des Saarlandes (HWK). „Mein Französisch war sehr schlecht, aber wir haben uns irgendwie verständigt – ich würde das immer wieder machen“, schwärmt Max, der mittlerweile seine Ausbildung zum Tischler abgeschlossen hat. „Das war eine einmalige Chance, die Arbeit in einem fremden Land kennen zu lernen.“

Seit 1983 besteht die Partnerschaft zwischen der HWK und der Chambre de Métiers de la Manche in Coutances. Für das kostenlose Austauschprogramm, das alle zwei Jahre im Wechsel ausgerichtet wird, können sich Lehrlinge ab dem zweiten Lehrjahr bewerben. Gute Französischkenntnisse sind erwünscht, können aber vorab in einem vierwöchigen Sprachkurs aufpoliert werden. „Während des Austauschs sollen die Jugendlichen die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsweisen in Frankreich und Deutschland kennen lernen“, sagt Sarah Schwingel, Ausbildungsplatzentwicklerin bei der HWK. Nicht zuletzt mit Blick auf die Zukunft: „In einem grenznahen Gebiet wie dem Saarland ist Arbeiten in Frankreich immer eine Option.“

Über Auslandsaufenthalte für Auszubildende aller Berufszweige informiert die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Trier. „Diese Möglichkeit ist leider recht wenig bekannt“, bedauert Berufsberater Hans-Josef Puch. Dabei sei ein Betriebspraktikum im Ausland „im Prinzip für alle Berufe geeignet“, wobei die Teilnahme am sinnvollsten für etwas ältere Jugendliche mit mindestens geringer Sprachkompetenz sei.

Unterm dem Dach des EU-Programms Leonardo da Vinci werden verschiedenste Auslandsprojekte gebündelt. So können Bildungsträger und größere Unternehmen förderwürdige Konzepte beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) einreichen – im Saarland machten dies 2007 zwei Bildungseinrichtungen: Die Edith-Stein-Schule Neunkirchen schickte 17 angehende Erzieher zu sechswöchigen Praktika in französische, tschechische, irische oder britische Kindertagesstätten; das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) in Homburg sandte acht Gärtner-Azubis zum Betriebspraktikum nach Tschechien.

Aber auch einzelne Lehrlinge können sich auf Betriebspraktika im Ausland bewerben. So bieten das BIBB und die Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH (InWent) so genannte Pool-Projekte an, in denen Einzelbewerber zu einer Gruppe zusammengefasst werden. Die Dauer variiert; die Kosten werden zum Großteil übernommen.