Ausbildung: Ausländische Jugendliche haben es schwerer als deutsche
SZ-Serie "Ausbildung 2008": Bundesagentur für Arbeit bietet zahlreiche Hilfen an – Chance für Betriebe auf zusätzliche Kunden
Die Chancen am Lehrstellenmarkt sind für Jugendliche mit Migrationshintergrund in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken.
Von SZ-Redaktionsmitglied Inga Catharina Thomas
Saarbrücken. Die Situation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf dem saarländischen Ausbildungsmarkt ist paradox: Obgleich sich die allgemeine Lage deutlich verbessert hat, sinkt ihr Anteil an neuen Ausbildungsverhältnissen. Nach Angaben der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit ist dieser in den vergangenen zehn Jahren um mehr als ein Sechstel auf 1000 Ausbildungsverhältnisse geschrumpft. Und das, obwohl 15- bis 30-jährige Migranten im Jahr 2005 etwa 28 Prozent der gleichaltrigen Bevölkerung ausmachten.
Die Ursachen für die mangelnde Integration am saarländischen Arbeitsmarkt sind vielfältig. So haben Studien gezeigt, dass Migrantenkinder beim Übergang von der Grundschule auf weiterführende Einrichtungen nicht so gut abschneiden wie einheimische Schüler. So haben nach Angaben des Statistischen Amtes nur knapp 7,1 Prozent der Migranten das Abitur, während dies auf 26 Prozent der deutschen Schulabgänger zutrifft. Unzureichende Sprachkenntnisse tun ihr Übriges.
Um die negative Entwicklung abzumildern, bieten die Arbeitsagenturen etliche Hilfen an. So gibt es beispielsweise Programme zur vertieften Berufsorientierung mit Werkstatt-Schulen, Reformklassen, Praxistagen und ähnlichem. Auch ist in jeder Agentur ein Ausländerbeauftragter vertreten, der unter anderem Kontakte zu Betreuungs- und Wirtschaftsorganisationen knüpft. Ziel soll dabei sein, nicht so sehr auf Defizite, sondern auf mögliche Potenziale zu schauen. „Dazu zählen beispielsweise interkulturelle Kompetenzen und Mehrsprachigkeit“, meint Ulrich Käser, Bevollmächtigter in der Regionaldirektion. Für Ausbildungsbetriebe hat die Einstellung eines Lehrlings mit Migrationshintergrund auch Vorteile, ist sich Käser sicher. „Insbesondere Dienstleister wie Ärzte und Rechtsanwälte können sich dadurch Zugang zu Klienten sichern, an die sie sonst nur schwer herankommen.“ Gegenwärtig befänden sich noch rund 190 junge Migranten auf Ausbildungsplatzsuche. > wird fortgesetzt
