Ich habe Abitur – weshalb ins Handwerk?
SZ-Serie "Ausbildung 2008": Mit dem Multi-Modell der saarländischen Handwerkskammer sparen Azubis Zeit und Geld
Es muss nicht immer ein Studium sein: Abiturienten haben auch im Handwerk gute Karrierechancen. Eine Alternative ist das so genannte Multi-Modell der saarländischen Handwerkskammer.
Von SZ-Redaktionsmitglied Inga Catharina Thomas
Saarbrücken/Kirkel. Acht Uhr am Samstagmorgen. Patrick Fünfrocker drückt die Schulbank – und dies freiwillig. Der Auszubildende bei der Firma Kärcher-Center Göbel in Kirkel nimmt am Multi-Modell der saarländischen Handwerkskammer (HWK) teil. Über zwei Jahre kann sich der Fachabiturient parallel zur Lehre zum Betriebsassistenten fortbilden – und so einen Teil der Meisterprüfung vorwegnehmen. „Das ist eine Super-Chance“, schwärmt der 20-Jährige. „So lerne ich viel über Management, Buchhaltung, Rechnungswesen und EDV.“
So wie Fünfrocken entscheiden sich viele Auszubildende mit Abitur oder Fachhochschulreife für das Modell. „Leistungsstarke, motivierte Jugendliche mit guter Vorbildung sind gefragt“, sagt Stefan Emser, Teamleiter Ausbildung bei der HWK. Handwerksbetriebe brauchen für selbstständige Kundenakquise und moderne Technik Mitarbeiter, die sicher im Umgang mit Kunden sind, Fremdsprachen beherrschen und über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen. Das Multi-Modell soll die Grundlagen schaffen.
„In den letzten zwei Jahren war das Interesse deutlich steigend“, sagt Stefan Emser. So meldeten sich im vergangenen Jahr 32 der knapp 190 Auszubildenden mit Hoch- oder Fachhochschulreife für das Multi-Modell an.
Die handwerksübergreifende, kostenlose Zusatzqualifikation dauert zwei Jahre. Die insgesamt 480 Schulstunden im Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrum I in Saarbrücken verteilen sich auf Management im Handwerk, Wirtschaftsenglisch oder –französisch sowie EDV. Am Ende steht die Prüfung zum Betriebsassistenten im Handwerk. „Das ist ein geldwerter Vorteil“, betont Emser. Die Teilnehmer würden für die Meisterprüfung ein Jahr Zeit sowie rund 900 Euro Lehrgangs- und Prüfungsgebühr sparen. < wird fortgesetzt
Informationen bei der HWK, Tel.: (0681) 5809143, und beim Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrum I, Tel.: (0681) 933411.
Auf einen Blick
Die Frage „Abi – was dann?“ will kommende Woche die gleichnamige Messe in der Congresshalle Saarbrücken beantworten. Am 10. und 11. September stellen sich über 100 Unternehmen, Hochschulen und Institutionen aus Deutschland, Frankreich und Luxemburg vor. Der Eintritt ist frei. Mehr Informationen: www.abi-was-dann.info red