pdf: Auch Praktika haben ihre Fallstricke

Auch Praktika haben ihre Fallstricke

SZ-Serie "Ausbildung 2008": Experte: Versicherungs- und Haftungsfragen müssen im Vorfeld geklärt werden

 

Per Praktikum in einen Betrieb reinschnuppern – dies ist heute fester Bestandteil des Berufswahlprozesses. Aber nicht jedes Praktikum ist sinnvoll.

 

Von SZ-Redaktionsmitglied Inga Catharina Thomas

 

Saarlouis. Generation Praktikum: Probearbeiten auf Zeit gehört heute für Schüler oder Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche zum Alltag. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab es im Jahr 2006 bundesweit rund 600000 Praktikastellen.

Doch nicht jedes Praktikum ist sinnvoll. „Es gibt, grob gesagt, zwei Arten von Praktika“, sagt Günter Zahn, Teamleiter Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Saarlouis. „Die offiziellen und die freiwilligen.“ Zur ersten Gruppe zählen jene, die in der Schulausbildung eingebettet sind; hier besteht ein Versicherungsschutz über die kommunalen Schulträger. Die meist zwei- bis dreiwöchigen Betriebspraktika sollen Schülern die Berufswahl erleichtern und eine Vorstellung von der Arbeitswelt vermitteln. Ein einjähriges Praktikum steht auf dem Programm, wenn entweder ein berufsschulpflichtiger Schüler keine Lehrstelle bekommen hat oder ein Realschulabsolvent die Fachhochschulreife aufsatteln will. Beide müssen dann in der Regel jeweils ein Schuljahr lang drei Tage im Betrieb arbeiten und zwei Tage die Schulbank drücken. Freiwillige Praktika dienen oft zur Berufsorientierung, aber auch um Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen.

Hier gibt es Kurzzeit- und Langzeitpraktika – beide verbunden mit diversen Fallstricken. „Bei einem Kurzpraktikum, beispielsweise während der Ausbildungsplatzsuche, habe ich wenig Bedenken“, sagt Zahn. „Es sollte aber nicht länger als drei Wochen dauern, damit man nicht den Ausbildungsbeginn im Herbst verpasst.“ Zu berücksichtigen sei jedoch, dass in dieser Zeit kein Versicherungsschutz besteht. So empfiehlt Zahn, sich vorab mit der Krankenversicherung in Verbindung zu setzen sowie die Haftpflichtsituation mit dem Betrieb schriftlich zu klären.

Bei den Langzeitpraktika unterscheidet der Experte zwischen staatlich geförderten und privatwirtschaftlichen Praktika. In die erste Kategorie fallen das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und die Einstiegsqualifizierung für Jugendliche (EQJ). Hier sind Jugendliche kranken- und sozialversichert. Schwierig sind alle Praktika, die mehrere Monate lang in der Wirtschaft abgeleistet werden. Hier sind die Regelungen zu Versicherung und Gehalt von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. > wird fortgesetzt

Hintergrund

Bei der Sparkassen-Finanzgruppe Saar haben 24 neue Sparkassenbetriebswirte ihre Ausbildung abgeschlossen. Während des zweijährigen Studienkurses, der zusätzlich zur Arbeit in der Freizeit absolviert werden musste, haben die Teilnehmer ihre Kenntnisse in rechtlichen, betriebs- und volkswirtschaftlichen Fragen vertieft. Mit diesem Fortbildungsangebot wollen die Sparkassen den sinkenden Zahlen von Schulabsolventen und dem damit verbundenem Fachkräftemangel vorbeugen. Zudem wollen die Sparkassen 2009 rund 34 Prozent mehr Auszubildende einstellen. red